Fragen und Antworten · Orte an der Südküste
Stimmt es, dass 90 Prozent des Schwarzen Meeres giftig sind?
Der Kern stimmt, und für das Badewasser an der Küste spielt er keine Rolle. Die Europäische Umweltagentur nennt in ihrem Bericht zum Schwarzen Meer aus dem Jahr 2002 fast 87 Prozent des Meeres vollständig sauerstofffrei und reich an Schwefelwasserstoff. Die oft genannten 90 Prozent liegen nur wenig darüber. Der Bericht nennt als Folge, dass Organismen der Tiefsee und des Meeresbodens dort weitgehend fehlen.
Der Bericht erklärt die Lage mit früheren geologischen Ereignissen, der Form des Beckens und dem Wasserhaushalt: Das Meer ist vom Weltmeer stark abgeschottet, die Senke ist tief, mit höchstens 2.212 m und im Mittel 1.315 m, das Einzugsgebiet ist groß, und viele Flüsse münden ein. Sauerstoffmangel herrscht nach dem Bericht unterhalb von 70 bis 200 m. Er begrenzt die senkrechte Verbreitung von Plankton, frei schwimmenden Organismen und Bodenorganismen der Tiefe.
Das Küstengebiet ist nach dem Bericht frei von Schwefelwasserstoff. Seine Konzentration steigt erst unterhalb der Temperatursprungschicht rasch an, weil das tiefere Wasser des Schelfs schlecht belüftet wird. Die Schichtung hängt mit dem Salzgehalt zusammen: In der Mitte des Schwarzen Meeres liegt er an der Oberfläche bei 17 bis 18 Promille und in der Tiefe bei 22 bis 24 Promille. Das Schwarze Meer war nach dem Bericht einmal ein See, wurde nach der Öffnung der Dardanellen mit dem Mittelmeer verbunden, wieder abgetrennt und erst vor etwa 6.000 Jahren erneut mit dem Marmarameer und dem Mittelmeer verbunden. Die Angabe stützt sich auf Zaitsev und Mamaev (1997).
Wie Badegewässer geprüft werden, regelt die Badegewässerrichtlinie 2006/7/EG. Die Mitgliedstaaten bestimmen jährlich ihre Badegewässer und die Dauer der Badesaison und überwachen sie nach einem Zeitplan (Art. 3). Nach dem Ende jeder Saison bewerten sie jedes Badegewässer auf der Grundlage der Daten der Saison und der drei vorangegangenen Saisons (Art. 4 Abs. 2). Gemessen werden zwei Keime aus dem Darm: intestinale Enterokokken und Escherichia coli (Anhang I). Für Küstengewässer liegt die Grenze für die Einstufung „ausgezeichnet“ bei 100 Kolonien Enterokokken und 250 Kolonien Escherichia coli je 100 ml, jeweils als 95-Perzentil bewertet. Schwefelwasserstoff gehört nicht zu diesen Parametern.
Die aktuelle Einstufung muss während der Saison in nächster Nähe des Badegewässers bereitgestellt werden, mit einem deutlichen und einfachen Zeichen oder Symbol, ebenso ein Badeverbot oder ein Abraten vom Baden (Art. 12 Abs. 1 Buchst. a). Das gilt für jedes Badegewässer in der Union, auch an der bulgarischen Küste.
Für Ihren Alltag heißt das: Die Frage nach der Wasserqualität beantwortet nicht die Tiefe des Meeres, sondern die Einstufung der einzelnen Badestelle in der laufenden Saison. Eine weitere Antwort zur Badesaison finden Sie unter Badewasser und Blaue Flagge.
Frage offen? Mit Svetlana sprechenDiese Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine Rechts-, Steuer-, Bank-, Bau-, Notar- oder Complianceberatung.

