Fragen und Antworten · Steuern und Firma
Ich will nur die Winter in Bulgarien verbringen und meine Wohnung behalten. Ändert das steuerlich etwas?
Die deutsche Steuerpflicht bleibt bestehen, solange die Wohnung Ihnen zur Verfügung steht. Ab mehr als 183 Tagen in Bulgarien kommt die bulgarische Ansässigkeit als zweite Frage hinzu. Die deutsche Steuer ändert sich erst, wenn Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland wegfallen.
Voraussetzungen der deutschen Steuerpflicht: Nach § 1 Absatz 1 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes sind natürliche Personen unbeschränkt einkommensteuerpflichtig, wenn sie im Inland einen Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben. Ein Merkmal genügt. Einen Wohnsitz hat nach § 8 der Abgabenordnung, wer eine Wohnung unter Umständen innehat, die darauf schließen lassen, dass er sie beibehalten und benutzen wird. Die Vorschrift nennt keine Mindestzahl von Tagen in der Wohnung. Den gewöhnlichen Aufenthalt regelt § 9 der Abgabenordnung: Ein zeitlich zusammenhängender Aufenthalt von mehr als sechs Monaten im Inland gilt stets und von Beginn an als gewöhnlicher Aufenthalt. Das gilt nicht, wenn der Aufenthalt ausschließlich zu Besuchs-, Erholungs-, Kur- oder ähnlichen privaten Zwecken genommen wird und nicht länger als ein Jahr dauert.
Was die unbeschränkte Steuerpflicht bedeutet: Nach § 2 Absatz 1 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes unterliegen der Einkommensteuer die sieben Einkunftsarten, die jemand während seiner unbeschränkten Steuerpflicht erzielt. Bei beschränkter Steuerpflicht gilt das nur für inländische Einkünfte. Die Einkommensteuer ist eine Jahressteuer, deren Grundlagen für jedes Kalenderjahr ermittelt werden (§ 2 Absatz 7).
Durchgerechnetes Beispiel: Sie behalten die Wohnung in Deutschland und halten sich 184 Tage in Bulgarien auf. Deutschland knüpft an die Wohnung an (§ 8 der Abgabenordnung), die Steuerpflicht besteht fort. Bulgarien behandelt als ansässig, wer eine ständige Adresse im Land hat, sich mehr als 183 Tage dort aufhält, von Bulgarien ins Ausland entsandt ist oder dort den Mittelpunkt der Lebensinteressen hat (Art. 4 Absatz 1 des bulgarischen Einkommensteuergesetzes, ZDDFL). Wer nur eine ständige Adresse hat, dessen Lebensmittelpunkt aber nicht in Bulgarien liegt, gilt nicht als ansässig (Art. 4 Absatz 5 ZDDFL). Aufenthalte allein zu Ausbildung oder medizinischer Behandlung zählen nicht zu den 183 Tagen (Art. 4 Absatz 3 ZDDFL). 184 Tage liegen über 183. Beide Staaten können Sie damit als ansässig ansehen.
Ablauf bei Ansässigkeit in beiden Staaten: Das Doppelbesteuerungsabkommen Deutschland-Bulgarien regelt die Zuordnung in Artikel 4 Absatz 2. Verfügen Sie nur in einem Staat über eine ständige Wohnstätte, gelten Sie dort als ansässig. Verfügen Sie in beiden Staaten darüber, gelten Sie als in dem Staat ansässig, zu dem Sie die engeren persönlichen und wirtschaftlichen Beziehungen haben, dem Mittelpunkt der Lebensinteressen. Lässt sich der Mittelpunkt nicht bestimmen, entscheidet der gewöhnliche Aufenthalt, danach die Staatsangehörigkeit.
Häufige Missverständnisse: Die Dauer des Aufenthalts in Bulgarien beendet die deutsche Steuerpflicht nicht, denn der Wohnsitz hängt an der Verfügbarkeit der Wohnung. Die Abmeldung beim Einwohnermeldeamt ersetzt die Prüfung der tatsächlichen Verhältnisse nicht. Die Sechs-Monats-Grenze in § 9 der Abgabenordnung ist eine deutsche Regel, die bulgarische Grenze von 183 Tagen eine andere.
Abgrenzung: Der Text behandelt weder Sozialversicherung noch Melderecht noch Steuern auf Einkünfte aus bulgarischen Immobilien. Den Zusammenhang erläutert die Fachseite Steuern. Allgemeine Information, keine Steuerberatung.
Frage offen? Mit Svetlana sprechenDiese Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine Rechts-, Steuer-, Bank-, Bau-, Notar- oder Complianceberatung.

