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Fragen und Antworten · Steuern und Firma

Ich vermiete meine Wohnung in Deutschland. Muss ich sie dort weiter versteuern?

Ja, im Grundsatz. Die Wohnung bleibt in Deutschland steuerlich verhaftet, auch wenn Sie selbst nicht mehr dort leben. Voraussetzungen: Wer im Inland weder einen Wohnsitz noch seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat, ist nach § 1 Abs. 4 EStG beschränkt einkommensteuerpflichtig, wenn er inländische Einkünfte im Sinne des § 49 EStG hat. Nach § 49 Abs. 1 Nr. 6 EStG zählen dazu Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung im Sinne des § 21 EStG, wenn das unbewegliche Vermögen im Inland belegen ist. § 21 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG nennt als Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung von unbeweglichem Vermögen unter anderem die von Grundstücken, Gebäuden und Gebäudeteilen. Ablauf der Prüfung in Schritten: Erstens klären Sie, ob Sie in Deutschland noch einen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt haben. Den Wohnsitz hat nach § 8 der Abgabenordnung, wer eine Wohnung unter Umständen innehat, die darauf schließen lassen, dass er sie beibehalten und benutzen wird. Den gewöhnlichen Aufenthalt hat nach § 9 der Abgabenordnung, wer sich nicht bloß vorübergehend aufhält; mehr als sechs Monate zusammenhängend gelten grundsätzlich als gewöhnlicher Aufenthalt. Zweitens ordnen Sie die Mieteinnahmen einer Einkunftsart zu. Drittens prüfen Sie, ob ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) dazwischentritt, denn nach § 2 Abs. 1 der Abgabenordnung gehen Verträge mit anderen Staaten über die Besteuerung den Steuergesetzen vor, soweit sie unmittelbar anwendbares innerstaatliches Recht geworden sind. Den Text des DBA zwischen Deutschland und Bulgarien haben wir für diese Antwort nicht abgerufen und machen dazu keine Aussage. Beispiel ohne Zahlen: Ein Eigentümer vermietet eine Wohnung in München und zieht zum 1. Juli nach Burgas, ohne in Deutschland eine Wohnung zu behalten. Bis zum Wegzug ist er nach § 1 Abs. 1 Satz 1 EStG unbeschränkt steuerpflichtig. Nach dem Wegzug ist er beschränkt steuerpflichtig, weil die Wohnung im Inland liegt und § 49 Abs. 1 Nr. 6 EStG die Vermietung erfasst. Da in einem Kalenderjahr beide Pflichten bestanden, bezieht § 2 Abs. 7 Satz 3 EStG die Einkünfte der beschränkten Steuerpflicht in die Veranlagung zur unbeschränkten Steuerpflicht ein. Die Einkommensteuer ist nach § 2 Abs. 7 Satz 1 EStG eine Jahressteuer. Häufige Missverständnisse: Der Wohnsitz in Bulgarien hebt die deutsche Steuerpflicht für die deutsche Mietwohnung nicht auf, denn § 49 Abs. 1 Nr. 6 EStG knüpft an die Lage des Vermögens an und nicht an Ihren Wohnort. Auch die Frage, wer die Wohnung nutzt, ändert an der Lage im Inland nichts. Abgrenzung: Diese Antwort behandelt nur die Einkünfte aus der Vermietung. Ob Sie in Deutschland weiterhin einen Wohnsitz haben, ist eine eigene Frage nach § 8 der Abgabenordnung; wie eine Vermietung diese Frage beeinflusst, haben wir nicht aus einer Primärquelle belegt und beantworten sie deshalb nicht. Die Höhe der Steuer und abziehbare Kosten besprechen Sie mit einem Steuerberater. Mehr zum Thema finden Sie auf der Seite Steuern. Allgemeine Information, keine Steuerberatung.

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Svetlana – JCP